Das Jahr 2025 war für LEFÖ kein gewöhnliches Jahr, ganz im Gegenteil: Es markierte das 40-jährige Jubiläum unserer Gründung. Von den Anfängen im Jahr 1985 als Beratungsstelle für Migrantinnen* aus lateinamerikanischen Militärdiktaturen über die Entwicklung zur vierten Partnerinnenorganisation der europäischen Organisation TAMPEP für Sexarbeiter*innen bis hin zur Eröffnung der LEFÖ-Interventionsstelle für Betroffene von Frauenhandel, wir blicken auf 40 Jahre Beratungs-, Bildungs- und Begleitungsarbeit zurück. Vieles hat sich in all den Jahren verändert, unser Name ebenso wie die Menschen, die uns begleiten, seien es Klientinnen*, Partnerorganisationen oder Unterstützer*innen. Doch der wichtigste Aspekt unserer Arbeit ist über all die turbulenten, bewegenden, schönen, aufregenden, verzweifelten und oft wütenden Jahre hinweg gleichgeblieben: der Zugang durch gemeinschaftsbasierte politische Bildung und Teilhabe. Gerade in einer Gesellschaftsstruktur, in der die bloße Existenz von Migrantinnen* immer schon politische Bedeutung hatte, aber oftmals an den Rand der Marginalisierung gedrängt wurde, ist unser Ansatz essenziell.
In einer Welt zunehmender Konflikte und schwindender diplomatischer Spielräume sind Organisationen, die auf feministischen, intersektionalen und antidiskriminatorischen Werten basieren und sichere Räume für Menschen schaffen, deren Lebensrealität von Ausgrenzung geprägt ist, heute wichtiger denn je. Gleichzeitig erleben wir jedoch einen zunehmenden politischen Gegenwind für Organisationen wie LEFÖ, der sich in Form weitreichender Kürzungen im Sozialbereich in ganz Österreich äußert. Solche Budgetkürzungen bringen nicht nur die ohnehin prekär beschäftigten Arbeitskräfte in der Sozialarbeit, in der Frauen* überrepräsentiert sind, in eine noch schwierigere finanzielle Lage. Auf zivilgesellschaftlicher Ebene hat dies zudem massive Konsequenzen für viele Bewohner*innen: Migrantinnen*, die bereits durch bürokratische Hürden, angespannte Verhältnisse zu Behörden sowie durch physische, psychische und ökonomische Gewalt belastet sind. Anstatt Unterstützung in der Gesellschaft zu finden, in der sie sich ein Zuhause aufgebaut haben, werden ihnen durch diese Kürzungen weitere Steine in den Weg gelegt. Die finanzielle Not zwingt Frauen* dazu, in prekären, ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen oder in finanziell abhängigen, oft gewaltvollen Partnerschaften zu verbleiben, da sie sich vom Staat nicht aufgefangen fühlen.
Dieses Phänomen ist keine abstrakte Sorge für die Zukunft, sondern Realität. Wie in den vergangenen vier Jahrzehnten wird LEFÖ auch weiterhin als vermittelnde Kraft für Migrantinnen* in Österreich agieren, die sich von den diskriminierenden sozialen und migrationspolitischen Praktiken abgehängt fühlen. LEFÖ fordert Politik und Zivilgesellschaft auf, im Rahmen ihrer jeweiligen Verantwortung Bedingungen zu schaffen, die eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Migrantinnen* und allen Frauen* vorantreiben, mit Respekt und Anerkennung für Vielfalt und Gemeinsamkeiten. Gesetzliche Rahmenbedingungen müssen daraufhin überprüft werden, gesellschaftspolitischen Ausschluss zu verhindern, und durch Maßnahmen ergänzt werden, die strukturelle Gewalt sichtbar machen, eindämmen und langfristig abbauen.
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen Spender*innen, Unterstützer*innen, Fördergeber*innen und ehrenamtlich Mitwirkenden für die geschätzten Beiträge zum Gelingen der LEFÖ-Arbeit und die vielfältigen Kooperationen im Jahr 2025.
Hier geht’s zum Jahresbericht 2025: LEFÖ_Jahresbericht_2025